Schweißerprüfungen

Schweißerprüfungen dienen dazu, dass Schweißarbeiten nur von qualitativ hochwertig ausgebildeten Fachleuten nach den neuesten und technisch anerkannten Regeln durchgeführt werden.

Da es sich beim Schweißen um eine homogene Verbindungstechnik handelt und meistens auch eine Gefahr für Leib und Leben oder große Schäden besteht, wenn die Arbeiten nicht fach- und sachgerecht ausgeführt wurden, ist es für „Gewerbetreibende“ ein „Muss“, die entsprechenden Schweißerprüfungen zu besitzen, schließlich haftet alleine der Unternehmer dafür, wenn es zu Schäden kommt.

Führt ein Unternehmen Arbeiten durch oder bringt bestimmte Produkte/Gewerke in Verkehr, kann es notwendig sein, den Betrieb, sowie das Personal nach der EN 1090 einer Prüfung oder Zertifizierung zu unterziehen. Es gibt gemäß Anlage vier Klassifizierungen (EXC1 bis EXC4). Je nach Gefahrenpotential für Umwelt, Leib und Leben steigt die Anforderung. Genaue Vorschriften regelt die Norm EN 1090. Kriterien können sein: Vorwiegend Bauteile/Tragwerke aus Stahl, ruhend beansprucht und bis zu einer Festigkeit S275 des Stahles, sowie dynamisch belastete Gewerke. Eine große Rolle spielt auch das Gefahrenpotential bei Versagen. Können Menschen und Umwelt zu Schaden kommen?

Es wird oft die Frage gestellt, ob im privaten Bereich auch eine Schweißerprüfung nötig ist. Braucht man auf einem Privatgelände einen gültigen Führerschein, um ein Fahrzeug zu steuern? Wohl eher nicht. Deshalb kann diese Frage eindeutig mit nein beantwortet werden, ob im privaten Bereich eine Schweißerprüfung nötig ist.

Es stellt sich aber die Frage, wer haftet, wenn etwas passiert? Wahrscheinlich der Fahrer ohne Führerschein. Eine Versicherung wird sich weigern den Schaden zu übernehmen. Genauso verhält es sich bei Schäden im Privatbereich, für die wohl der aufkommen muss, der die Schweißarbeiten ausgeführt hat.

Man sollte sich deshalb bei privaten Schweißarbeiten immer vorher Gedanken machen, ob ich die Arbeiten fachgerecht durchführen kann, ohne dass irgendjemand zu Schaden kommt. Fachgerecht kann ich nur etwas durchführen, wenn ich es vorher erlernt habe.

DIN EN 1090

 

Die EU-Zertifizierung EN 1090 ist seit dem 1. Juli 2014 bindend für alle Betriebe, die Schweißungen an Stahl- und Aluminiumtragwerken durchführen. Ob Kleinbetrieb oder Großunternehmen, für alle Betriebsgrößen ist die neue Norm Voraussetzung, um bauaufsichtlich relevante Aufträge durchzuführen oder an öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen.
Die DIN EN 1090 definiert die Mindestanforderungen an das Qualitätsmanagement-System eines jeden schweißtechnischen Betriebes. Sie schließt die Abbildung aller Abläufe vom Einkauf bis hin zum Versand jedes einzelnen Bauteils ein.
Die Bauteile selbst sind dabei in vier Ausführungsklassen gegliedert, die jeweils auch unterschiedliche Anforderungen an die Qualifikation des Schweißpersonals stellen.

Auf der folgenden Seite ist der Ablauf der Zertifizierung erläutert. Während der gesamte Prozess in den Schritten 1 bis 3 sehr viel interne Planungs- und Qualifizierungsarbeit erfordert, sind die Kosten für die Qualifizierung der Produktionsprozesse im Schritt 4 besonders für kleine und mittlere Betriebe enorm hoch.
Hier setzt Merkle an und bietet seinen Kunden fertige WPA/WPQR-Pakete an, die von den Betrieben benutzt werden können. Damit lassen sich die Kosten und der zeitliche Aufwand der Zertifizierung erheblich reduzieren. Dieser Vorteil besteht bei Stumpf- und Kehlnähten im Blechdickebereich 3 bis 25 mm und bis zu einer Steckgrenze von 355 MPa.

Ausführungsklasse EXC1

In diese Ausführungsklasse fallen vorwiegend ruhend beanspruchte Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S275.

Beispiele:

  • Tragkonstruktionen mit max. zwei Geschossen aus Walzprofilen ohne biegesteife Kopfplattenstöße
  • Stützen mit max. 3 m Knicklänge
  • Treppen und Geländer in Wohngebäuden
  • Wintergärten an Wohngebäuden
  • Einfamilienhäuser mit bis zu 4 Geschossen

Die Ausführungsklasse EXC1 gilt auch für andere vergleichbare Bauwerke, Tragwerke und Bauteile.

Ausführungsklasse EXC2

In diese Ausführungsklasse fallen vorwiegend ruhend und nicht vorwiegend ruhend beanspruchte Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S700, die nicht den Ausführungsklassen EXC1, EXC1 und EXC 4 zuzuordnen sind.

Ausführungsklasse EXC3

In diese Ausführungsklasse fallen vorwiegend ruhend und nicht vorwiegend ruhend beanspruchte Bauteile oder Tragwerke aus Stahl bis zur Festigkeitsklasse S700.

Beispiele:

  • Großflächige Dachkonstruktionen von Versammlungsstätten/Stadien
  • Gebäude mit mehr als 15 Geschossen
  • Geh- und Radwegbrücken
  • Straßenbrücken
  • Eisenbahnbrücken
  • Kranbahnen

Die Ausführungsklasse EXC3 gilt auch für andere vergleichbare Bauwerke, Tragwerke und Bauteile.

Ausführungsklasse EXC4

In diese Ausführungsklasse fallen alle Bauteile oder Tragwerke der Ausführungsklasse EXC3 mit extremen Versagensfolgen für Menschen und Umwelt.

Beispiele:

  • Straßenbrücken und Eisenbahnbrücken (siehe DIN EN 1991-1-7) über dicht besiedeltem Gebiet oder über Industrieanlagen mit hohem Gefährdungspotential
  • Sicherheitsbehälter in Kernkraftwerken
  • Nicht vorwiegend ruhend beanspruchte Wehrverschlüsse bei extremen Abflussvolumen

Die 5 Schritte zur erfolgreichen Auditierung und Zertifizierung!

Schritt 1 – Die Vorplanung

In der Vorplanung wird der theoretische Ablauf aller Betriebsprozesse abgebildet. Dieser umfasst den Einkauf, den Wareneingang, das Lagerwesen, die Produktion, die Montage, die Qualitätssicherung, die Verpackung und den Versand. Hierbei kann auf am Markt erhältliche Handbücher, Formulare und Checklisten zur Zertifizierung nach DIN EN 1090 zurückgegriffen werden. Im Kern geht es darum, die Qualität im gesamten Entstehungsprozess im Betrieb sicherzustellen und nachzuweisen. Es umfasst dabei zum Beispiel auch Nachweise über verwendete Grundwerkstoffe in Bezug auf Art und Beschaffenheit.

Schritt 2 – Die Qualifizierung der Mitarbeiter

Die Anforderungen beziehen sich nicht nur auf die Qualität der produzierten Bauteile, sondern gehen einen Schritt weiter. Je nach Bauteilart steigen auch die Anforderungen an die Qualifikation des Mitarbeiters und der Schweißaufsichtsperson. So muss beispielsweise in der EXC3 die Schweißaufsicht durch einen Schweißfachingenieur/Schweißtechniker erfolgen. Zur Erfüllung der Norm sind ggf. Nachschulungen der Mitarbeiter erforderlich.

Schritt 3 – Die Einführung der werkseigenen Produktionskontrolle – WPK

In diesem Prozess muss für jeden Arbeitsschritt ein schriftlicher Herstellungsnachweis entwickelt werden, der die geforderten Ergebnisse und definierten Qualitäten in der Produktion sicherstellt. Gleichzeitig muss jeder Arbeitsschritt so beschrieben sein, dass die Einhaltung jederzeit überprüfbar ist. Dies gilt auch für den Schweißbereich, in dem zum Beispiel jede einzelne Schweißnaht der Ausführungsklassen EXC1 und EXC2 eine schriftliche Schweißanweisung benötigt, WPS – Welding Procedure Specification.

Schritt 4 – Die Qualifizierung der Produktionsprozesse

Dieser Schritt ist der komplexeste aller Zertifizierungsschritte und auch der kostenintensivste. Um eine WPS (Schweißanweisung) für jede Schweißnaht zu erhalten, muss neben zahlreichen weiteren Kriterien die Schweißnaht im Beisein eines Prüfers Probe geschweißt und anschließend eine Verfahrensprüfung durchgeführt werden. Ist diese erfolgreich, wird ein so genanntes WPQR Zertifikat (Welding Procedure Qualification Record) auf den Hersteller ausgestellt. Da dies für jede Nahtart in den unterschiedlichsten Verfahren geprüft werden muss, summieren sich die Kosten alleine hierfür leicht auf fünfstellige Beträge.

Schritt 5 – Erstellung der Schweißanweisung

Auf Grundlage der selbst durchgeführten Verfahren oder der von Merkle erworbenen WPQR Zertifikate werden die Schweißanweiungen schriftlich erstellt. Damit sind alle Voraussetzungen für das Audit und die abschließende Zertifizierung nach DIN EN 1090 erfüllt.

↓ Die Lösung ↓

 

Das Merkle WPS/WPQR-Paket

Der Gesetzgeber hat als Option festgelegt, dass WPQR-Zertifikate für Standardschweißverfahren auf andere Anwender übertragbar sind. Dies gilt für Anwendungen bei Baustählen mit Blechdicken bis 25 mm und Streckgrenzen bis 355 MPa. Wer sich als Betrieb in den Awendungsbereichen EXC1 und EXC2 bewegt, kann das Merkle WPS/WPQR-Paket erwerben und so seine Kosten ganz erheblich senken! Diese Merkle-Pakete beinhalten die WPQR-Zertifikate und Schweißanweisungen (WPS) und sind für Produktlinien HighPULSE/SpeedMIG sowie für die Bauserie OptiMIG erhältlich.